Sind gebrauchte Software Lizenzen eine Alternative zu teuren neuen Lizenzen?

Der Stellenwert von Software wächst in den allermeisten Unternehmen: Wie Geschäftsprozesse innerhalb des Betriebes abgebildet werden, wird immer häufiger durch die Gestaltung verwendeter Softwarelösungen vorgegeben. Daraus ergibt sich, dass Workflow und Arbeitsqualität zunehmend stärker von der Frage abhängen, ob auch eine hochwertige Software verwendet wird. Für kleine und mittlere Unternehmen sind die Lizenzen für professionelle Software ebenso wie für private User häufig zu teuer. Ist gebrauchte Software beziehungsweise sind „gebrauchte” Software-Lizenzen eine sinnvolle Alternative?

Juristische Fragen geklärt: Handel mit gebrauchter Software zweifelsfrei zulässig

Vor einigen Jahren noch wurde Software üblicherweise auf einem physischen Datenträger verkauft. Die rechtliche Frage hinsichtlich des Softwareverkaufs war aus diesem Grund einfach zu beantworten: Wenn Sie Eigentümer der CD oder DVD waren, konnten Sie das jeweilige Programm nutzen oder veräußern. In Zeiten von schnellen Internetverbindungen wurde es hingegen üblich, die Software direkt herunterzuladen und lediglich eine Lizenz zu erstehen. Der Handel mit diesen Lizenzen war aus juristischer Sicht schwierig zu bewerten. Die meisten Produkte werden durch den sogenannten „Erschöpfungsgrundsatz“ geschützt. Dieser Grundpfeiler des Rechts besagt, dass ein Gegenstand einer Erschöpfung unterliegt; sich also verbraucht. Fällt ein gut unter diesem Grundsatz, kann ein Schutz aus juristischer Sicht nicht mehr in Anspruch genommen werden. Softwarelizenzen fielen allerdings aus nachvollziehbaren Gründen nicht unter diesen Grundsatz – weshalb es häufig zu rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Händlern genutzter Softwarelizenzen und den Entwicklern kam. Ein Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofs, welches später auch vom Bundesgerichtshof bestätigt wurde, brachte im Juli 2012 allerdings Klarheit: Auch, wenn es sich um ein digitales Produkt handelt, ist der Verkauf zulässig. Konkret können Nutzer nun ohne rechtliche Risiken Gebraucht-Software kaufen und auch wieder verkaufen. Das oberste deutsche Gericht ging bei der sogenannten „Usedsoft-III“-Entscheidung gar noch weiter: Auch der Handel mit sogenannten Volumenlizenzen ist rechtlich einwandfrei. Unter Volumenlizenzen werden im Paket verkaufte Einzellizenzen verstanden, die nun auch teilweise weiterveräußert werden dürfen.

Wie kommen wir auf das Thema gebrauchte Software-Lizenzen?

Es war mal wieder so weit, ein neuer Arbeitsplatz musste eingerichtet werden. Zudem haben wir unseren Server „geupdated”. Neue Hardware, neue Software und eine neue USV mussten angeschafft werden. Um die Kosten nicht explodieren zu lassen und um weiterhin faire Stundenpreise anbieten zu können, setzen wir selbst gern auf gebrauchte Lizenzen. Unsere Wahl fiel auf Microsoft Office 2016 und Microsoft Project 2013. Nach einigem Hin und Her, bleiben wir jedoch bei unserem Fileserver bei einer unixoiden Lösung.

Erhebliche Ersparnis möglich

Die Frage, ob sich der Handel aus User-Sicht überhaupt lohnt, ist schnell beantwortet: Wer sich für eine ältere Lizenz entscheidet, kann durchaus mehr als 30 % gegenüber dem Neuerwerb sparen. Im Unterschied zum Gebrauchtkauf physische Güter verschleißt ein digitales Produkt nicht. Auch Ansprüche an Updates oder sonstige Wartung werden mit der Lizenz übertragen. Der einzige Nachteil zur neuen Lizenz vom Softwareentwickler liegt zumeist darin, dass nicht die aktuelle Version der Software genutzt werden darf. Ob es sich dabei um einen nennenswerten Nachteil handelt, muss von Fall zu Fall überprüft werden. Bei etablierten Softwarelösungen sind die Änderungen mit jeder neuen Version zumeist nur marginal, zudem ist ein größerer Funktionsumfang für kleine Unternehmen häufig kaum von Bedeutung. Darüber hinaus gilt es zu bedenken, dass viele Mitarbeiter womöglich ohnehin mit älteren Versionen eines Programms vertraut sind und von einem möglicherweise deutlich veränderten User Interface keinesfalls profitieren. So überrascht es auch kaum, dass nicht nur der offensichtliche kommerzielle Vorteil im Vordergrund steht, wenn gebrauchte Software gekauft werden soll. Einige Unternehmen setzen bereits eine ältere Version einer bestimmten Buchhaltungs- oder ERP-Software ein und benötigen zur Expansion einige weitere Lizenzen. Vom Entwickler sind diese Altlizenzen üblicherweise aber nicht mehr zu bekommen. Die Variante, sämtliche Arbeitsplätze auf eine neue Software umzustellen, ist mit entsprechend hohen Kosten verbunden. Neben der Tatsache, dass für diese Entscheidung sämtliche Rechner mit neuer Software ausgestattet werden müssten, wäre zudem auch eine Schulung der Mitarbeiter unabdingbar.

Verkäufer sollte Nutzungsrecht nachweisen können

Used Software Licences
S2 Software GmbH & Co. KG

Wie in vielen anderen Märkten auch, sollten User beim Kauf gebrauchter Software allerdings auf etablierte Unternehmen wie S2-Software vertrauen. Denn auf Online-Marktplätzen ist zumeist kaum zu erkennen, ob es sich um eine ehrlich erworbene Lizenz oder eine Raubkopie handelt. Die seriösere Variante ist der Kauf von Lizenzen im Zuge einer Umstrukturierung, Fusionen oder Insolvenz eines Unternehmens. Die dadurch freiwerdenden Software-Lizenzen werden dem Markt zur Verfügung gestellt. Genauso ist es natürlich möglich, dass ein Unternehmen auf eine neuere Version der Software umsteigt und dann alte Lizenzen zu vergeben hat. In jedem Fall muss nachvollzogen werden können, woher die Softwarelizenz ursprünglich stammt; eine entsprechende Dokumentation sollte vorhanden sein. Als Käufer können Sie so sicherstellen, dass der Verkäufer auch die notwendigen Nutzungsrechte über die Software besitzt.

Fazit: durch gebrauchte Softwarelizenzen rechtssicher sparen

Häufig sind es juristische Fragen, die Unternehmen beim Kauf gebrauchter Softwarelizenzen zögern lassen. Einige Grundsatzurteile des Europäischen Gerichtshof sowie des obersten Bundesgerichtes schaffen hier Rechtssicherheit: Der Handel mit gebrauchten Softwarelizenzen ist ohne Einschränkungen zulässig. Anwender profitieren von einer Preisersparnis, die je nach Anwendung bis zu 40 % gegenüber dem Neukauf betragen kann. Die Risiken sind gering, weil digitale Produkte keiner Abnutzung unterliegen. Darüber hinaus ermöglicht der Handel den Kauf von älteren Lizenzen, die im Unternehmen bereits eingesetzt werden. Damit es nicht zu Komplikationen kommt, sollte sich der Käufer davon überzeugen können, dass der Händler das Nutzungsrecht über die Software besitzt.

Quelle:
computerwoche.de, Was Anwender über gebrauchte Software wissen sollten (https://goo.gl/xAyNSd)